Zuversicht in der Angst

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen? (Markus 4,40-41)

„Wir melden uns, sobald die Gefahr vorüber ist“, diesen Satz hören wir in den Verkehrsnachrichten, wenn uns mal wieder ein Falschfahrer entgegen kommt. Vielleicht fühlen wir uns mit diesem Coronavirus so ähnlich – dass da etwas ungebremst auf uns zukommt und wir kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Wie schön wäre es, wenn wir hoffen dürften, dass dieser befreiende Satz: „Wir melden uns, sobald die Gefahr vorüber ist“, möglichst bald gesagt würde.

Aber darauf müssen wir wohl nun noch eine Weile warten. Viele Ängste sind damit verknüpft. Ängste, dass wir selbst oder nahe Angehörige erkranken. Ängste vor den wirtschaftlichen Konsequenzen für uns und unsere Familien, für unsere Stadt, unser Land, ja die ganze Welt. Was wird da wohl noch alles auf uns zukommen? Und wie werden wir die Zeit füllen können, in der wir immer mehr Einschränkungen erfahren? Was werden die Kinder und Jugendlichen machen? Weiterlesen

Bleibt in der Liebe!

Haltet fest an der Geschwisterliebe! Vergesst nicht die Gastfreundschaft, denn durch sie haben einige, ohne es zu wissen, Abgesandte Gottes beherbergt. Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene, und gedenkt der Misshandelten, weil ihr auch noch in euren Körpern lebt. (Hebräer 3,1-3)

Vor vier Jahren traf ich Adam. Adam ist ein junger, schüchterner Mann aus Syrien. Er war 19 Jahre alt. Adam kommt aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Damaskus. Er hat seine Schule dort nicht beenden können, denn während des Bürgerkrieges in Syrien hat eine Bombe sein Wohnhaus getroffen. Er kann sich nicht genau erinnern, aber seitdem hat er eine verletzte Schulter. Nach diesem schrecklichen Erlebnis begann er seine Flucht vor diesem Krieg nach Deutschland zu planen. Er kam über das Mittelmeer und die Türkei und dann quer durch Europa. Seine Reise beschreibt er unter Tränen als einen schrecklichen Alptraum. Weiterlesen

Mit dem bin ich fertig!

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

„Mit dem müssen Sie mir nicht mehr kommen“, so werde ich von einer Patientin begrüßt, nachdem ich mich als Krankenhausseelsorgerin vorgestellt habe. „Mit dem bin ich fertig!“ Ihr Ehemann versucht zu beschwichtigen, aber das schafft er nicht. Dann erzählt sie aus ihrem Leben und ich kann nur ahnen, wie schwer es war, durch wie viele Sorgen es geprägt wurde, wie anstrengend manchmal ein ganz normaler Tag gewesen sein muss.

Während sie erzählt, denke ich: das ist aber ein großes Paket, das diese Familie tragen musste. Und als sei das nicht genug, endet sie damit, dass sie erzählt, dass nun ihr Kind gestorben sei. Alle drei sitzen wir wie erschlagen zusammen. Was soll ich da sagen? Wie kann ich da trösten? Weiterlesen

Siehe, ich mache alles neu

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde … Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein … Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. (Offenbarung 21,1-5)

Heute, am Ewigkeitssonntag, gedenken wir derer, die nicht mehr unter uns sind, gedenken wir derer, mit denen wir verbunden waren. Sie fehlen uns. Und wenn wir heute an den Gräbern stehen, dann steigen viele Erinnerungen in uns auf, an die Mutter, den Vater, den Ehepartner, den Sohn, die Tochter, den Onkel, die Schwester, den Freund, die Freundin.

Wir haben um sie lange getrauert und tun es immer noch, weil ihr Tod ein schmerzlicher Verlust war oder noch ist. Neben dem Gefühl der Trauer steht aber auch noch etwas anderes: die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit dafür, dass wir mit diesen Menschen unser Leben haben teilen können, haben teilen dürfen. Sie haben unser Leben reich gemacht. Durch alle gemeinsamen Höhen und Tiefen hindurch haben sie uns und unser Leben geprägt. Weiterlesen

Enttäuschter Glaube, enttäuschtes Gebet… echter Glaube, echtes Gebet

In diesem Beitrag möchte ich Sie ein wenig an meinem Leben teilhaben lassen. Als bewusste Christin lebe ich schon seit vielen Jahren mit Jesus Christus. Ich nehme ernst, was in der Bibel steht, beziehe Gott in meinem Leben in meine Entscheidungen mit ein, versuche, mit seiner Hilfe so zu leben, wie es gut ist und seinem Willen entspricht – und ich bete. Ohne Gebet ist eine Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht möglich, denn Gebet ist das verbindende Kommunikationsmittel.

Die Bibel ist darum auch voll von Geschichten über betende Menschen, Gedanken und Hinweisen, mit welcher Haltung man vor Gott treten kann und soll und von Gebeten selbst, die Menschen in verschiedenen Situationen gebetet haben, z.B. den Psalmen. So wie Gott in biblischen Zeiten mit den Menschen in Verbindung getreten ist, so möchte er es auch heute tun. Das glaube ich und davon bin ich überzeugt.

Ich habe in den vielen Jahren meines Christseins schon viele gute Erfahrungen mit dem Gebet gemacht. Ich habe erlebt, wie sich Dinge auf einmal gefügt haben oder sich Türen öffneten, die vorher verschlossen erschienen. Gebete wurden erhört und ich fühlte mich auf der Siegerseite des Lebens. Ich habe aber auch schmerzhafte Erfahrungen mit nicht erhörten Gebeten gemacht. Weiterlesen

Wir sind nicht allein

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20)

Gut lesbar steht dieses Wort auf dem Kreuz über dem Altar in der Borbecker Matthäuskirche und begleitet uns über die Jahre Tag für Tag. Es ist ein Wort, das uns die Nähe Gottes zuspricht, Geborgenheit schenkt, tröstet und Mut macht. Wir sind nicht allein – auch nicht in den tiefsten Tiefen unseres Lebens.

Dieses Wort auf dem Kreuz in der Matthäuskirche macht gerade in diesen Tagen deutlich, dass Gott uns in Jesus durch sein Leiden und Sterben ganz nahe war und ganz nahe ist. Gott ist ganz und gar Mensch geworden und hat bis in die tiefsten Tiefen hinein unser Leben durchlebt und durchlitten und uns dadurch seine unendliche Liebe gezeigt. Weiterlesen

Zweifel – Hoffnung – Glaube

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Johannes 11,26)

Ende Januar 2017 habe ich zu meinem Geburtstag das größte und wunderbarste Geschenk meines bisherigen Lebens von meiner geliebten Ehefrau geschenkt bekommen. Sie befand sich für einen experimentellen Heilversuch im Uniklinikum Würzburg und schrieb mir:

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„Liebster, das was ich hier erlebt habe, werde ich nie vergessen und es hat mich so sehr verändert. Letzte Woche Freitag, als ich hier angekommen bin, habe ich mich so schlecht gefühlt. Ich hatte Wasser in der Lunge und konnte kaum atmen. Ich war so schwach, der Krebs war überall. Sie sagten mir, dass ich nur noch ein paar Tage zu leben habe, wenn jetzt nichts passiert. Weiterlesen

Mit Gelassenheit und Gottvertrauen

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal geschrieben: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Und er hat damit einen wunden Punkt angesprochen. Man sieht und merkt uns Christinnen und Christen, das Glück Gottes Kinder zu sein, oft nicht an. Eher befremdet es uns, wenn Menschen glückselig lächelnd von ihrem Glaubensglück erzählen und wir werden vorsichtig, ob da nicht einer bei einer Sekte gelandet ist.

Das ist vermutlich aber auch nicht, wonach Nietzsche gefragt hat. Es ging ihm wahrscheinlich um eine im Glauben gründende Gelassenheit – einen wahrnehmbaren Unterschied zur Getriebenheit des Menschen. Loslassen können ist eine Lebenskunst, die Jesus den Menschen nahegelegt hat: Sorgt euch nicht um die Zukunft, vertraut auf Gott. Weiterlesen

Erduldet keine Unterdrückung!

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

Als ich diesen Vers las, dachte ich sofort an den Vorwurf der Vertröstung auf das ewige Leben. Davon halte ich nichts, Menschen zu beruhigen und zu verströsten, die doch jetzt, ganz konkret leiden und umgehend Hilfe benötigen. Ich will auch niemandem sagen: Das musst du jetzt einfach durchhalten, das ist nun mal so, uns wird es später in der ewigen Herrlichkeit wunderbar ergehen. Und damit würden dann alle Leiden in dieser Welt, alle Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Unfrieden abgetan als Schicksal, dass zu erdulden ist. Nein, auf keinen Fall! Weiterlesen

Stärkt die müden Hände!

…ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

Das Jahr war schnell, jedenfalls für mich – und nun fühlte sich die Adventszeit auch noch nicht so an wie sonst, was nicht nur am Wetter lag, aber vielleicht auch. Denn auch das macht mir deutlich, dass wir in schwierigen Zeiten leben. Als ich neulich bei einem Patienten war, der mich angerufen hatte. Oh – nicht was Sie jetzt denken, er wollte mich gar nicht sprechen, er war auf der Suche nach jemanden, der ihm eine Telefonkarte besorgen konnte, was ich getan habe, weil die Grünen Damen und Herren geradedurch waren und er sonst lange hätte warten müssen. Wir kamen dann aber ins Gespräch. Über den Beruf seines Sohnes landeten wir in der Autobranche; nein – mit all den Betrügereien hat er nichts zu tun, er forscht in einer anderen Sparte. Aber wir zwei machten uns Gedanken über die Welt und vor allem über unsere Umwelt.

Der Patient war schon älter und gab seiner Verwunderung Ausdruck, dass diese lange Periode der Trockenheit, die wir hier in Deutschland gerade erlebt hatten, anscheinend niemandem außer ihm zu denken gäbe. Er konnte nicht begreifen, dass nicht ein lauter Aufschrei durch unser Land geht – und nicht nur da. Er schaute mich an und meinte: Das Schlimmste ist, dass wir es gar nicht mehr aufhalten können. Es ist schon zu viel passiert, selbst wenn wir jetzt alle… Und dann schaute er mich an: Sie stehen doch in der Öffentlichkeit, können Sie nicht darüber sprechen? Weiterlesen